Schlagwort-Archive: Sommercamp



  • Wider ein sorge- und naturvergessenes WirtschaftenWider ein sorge- und naturvergessenes Wirtschaften
    Auch wenn der Titel – Nachhaltigkeit (re)produktiv denken – vielleicht etwas sperrig klingt; im Kern trifft er das Anliegen der Publikation auf den Punkt. Dabei hat die Herausforderung, Nachhaltigkeit (re)produktiv zu denken, weitreichende Implikationen – es läuft auf die „Neuerfindung des Ökonomischen“ hinaus.Unter dieser Überschrift arbeiteten Sabine Hofmeister und Adelheid Biesecker (2006) das Konzept der (Re)Produktivität aus, das im Buch aus diversen fachlich-theoretischen und praktischen Perspektiven auf seine Produktivität (!) in Bezug auf unterschiedlichste Problemlagen beleuchtet wird. Hofmeister und Biesecker setzen in ihrem Theorieentwurf die vielfältigen Prozesse des (Re)Produzierens zu Natur- und Geschlechterordnungen in Beziehung und betonen, dass die Produktivität von Natur und Arbeit – und zwar unbezahlter wie bezahlter Arbeit – nur erhalten bleiben kann, wenn die Wiederherstellung (die Reproduktion) der Voraussetzungen der Produktionsprozesse – und zwar aller Produktionsprozesse – gewährleistet ist. Ökonomie muss (re)produktiv gedacht, der Wert der Reproduktion anerkannt werden. Der Sammelband ist eine Festschrift für Sabine Hofmeister, die, wie die Herausgeber*innen Tanja Mölders, Anja Thiem und Christine Katz in ihrer Einleitung schreiben, „mit dem Konzept der (Re)Produktivität einen wesentlichen Beitrag zum deutschsprachigen feministischen Diskurs um nachhaltige Entwicklung geleistet“ hat. Sie versammeln ihr zu Ehren eine illustre Schar von (ehemaligen) Mitstreiter*innen, die sich mit Sabine Hofmeisters wissenschaftlichen Beiträgen zur feministischen Umweltforschung, Landschaftsplanung, Nachhaltigen Regionalentwicklung, Ökologie der Zeit, Feministischen Ökonomie sowie zu Natur- und Geschlechterverhältnissen auseinandersetzen. Da Sabine Hofmeister in ihrem wissenschaftlichen Leben sehr vielfältig gearbeitet hat, sind auch die Weggefährt*innen sehr verschieden, und deshalb erfährt die Leser*in nicht nur etwas über Ökonomie und Reproduktion, sondern auch über… Read more »
  • (K)ein Recht auf Reparatur?(K)ein Recht auf Reparatur?
    Ist mit den nun gültigen Neuerungen der Ökodesign-Richtlinien ein EU-weites Recht auf Reparatur in Kraft getreten? Leider nein, und das ungeachtet der Dringlichkeit, endlich entschlossen und wirksam gegen die Erzeugung von Elektroschrott vorzugehen und zum Nachteil von Verbraucher*innen, ehrenamtlichen Reparatur-Initiativen und freiem Reparaturgewerbe. Allein in der EU fielen im letzten Jahr 12 Mio. Tonnen mit dem weltweit höchsten Pro Kopf-Aufkommen von 16,2 kg an. Tendenz steigend. Seit März 2021 müssen Geräte, die Hersteller in der EU verkaufen wollen, zerstörungsfrei mit üblichen Werkzeugen zu öffnen sein. Ersatzteile und Reparaturanleitungen für bis zu zehn Jahre vorgehalten werden. Klingt nach einem großen Schritt, aber die Regelungen gelten nur für wenige Produktgruppen (Bildschirme, Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kühlschränke) und nur für neu auf den Markt gebrachte Geräte. Haushalts-Kleingeräte oder auch Mobiltelefone, Notebooks und andere sehr ressourcenintensive Produkte fallen nicht darunter. Die Richtlinie garantiert weder Verbraucher*innen, noch ehrenamtlichen Reparatur-Initiativen diskriminierungsfreien Zugang zu Ersatzteilen. Nur an „fachlich kompetente“ Reparateure müssen Hersteller liefern. Was genau darunter zu verstehen ist, bleibt in der Gesetzgebung vage und belässt im schlechtesten Falle die Entscheidungshoheit darüber bei den Herstellern. Das Bundeswirtschaftsministerium, so Umweltministerin Svenja Schulze in einem Interview zusammen mit Johanna Sydow vom Runden Tisch Reparatur, mische eben stark mit und versuche es stets der Wirtschaft besonders leicht zu machen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, den Zugang auch für Reparatur-Initiativen zu schaffen, an inklusiven Lösungen arbeiten derzeit aber nur wenige Länder. Zur Preisgestaltung von Ersatzteilen gibt es keinerlei Vorgaben und die Lieferzeit darf bis zu 15 Tage in Anspruch nehmen. Auch sind Bündelungen möglich. Reparierende könnten… Read more »
  • Online-ReparaturcaféOnline-Reparaturcafé
    Dinge gehen leider auch dann kaputt, wenn pandemiebedingt keine Reparaturcafés stattfinden können. Vom 1.-6. Februar bieten daher ehrenamtliche Reparaturhelfer*innen aus dem gesamten Bundesgebiet digitale Reparatursprechstunden an. Menschen mit defekten Gegenständen können sich in eine zentrale Videokonferenzschaltung einwählen und erhalten dort Beratung und Tipps zur eigenständigen Reparatur von Reparateur*innen aus dem Netzwerk Reparatur-Initiativen.Hier finden sich weitere Informationen zum Ablauf vom Online-Reparaturcafé. Read more »
  • Die Ökofeministin Maria Mies wird 90Die Ökofeministin Maria Mies wird 90
    Vermutlich, weil sie lange in Indien geforscht und gelebt hatte, besaß die Kölner Soziologin Maria Mies von Anfang an einen Blick für die globalen Zusammenhänge. Sie ist eine der wenigen Frauenforscherinnen hierzulande, die auch die internationale (öko-)feministische Debatte immer wieder maßgeblich beeinflusst hat.Maria Mies war „die Erste [  ], die eine Perspektive der ‚Weltsysteme‘ auf die soziale Reproduktion entwickelt hat“, anerkennt die US-amerikanische Philosophin Nancy Fraser: „Ihre Darstellung der Verbindung zwischen der europäischen ‚Hausfrauisierung‘ und der Kolonisierung der Dritten Welt bleibt ein wichtiger Beitrag und eine unübertroffene Erkenntnis.“ (in: Nancy Fraser/Rahel Jaeggi: Kapitalismus. Ein Gespräch über kritische Theorie, Berlin 2020) Zeit ihres Lebens war Maria Mies nicht nur Wissenschaftlerin, sondern auch Aktivistin – zu Beginn der Neuen Frauenbewegung eine nicht ungewöhnliche Konstellation –, sie war Mitgründerin des ersten autonomen Frauenhauses in Köln, des Vereins zur feministischen Theorie und Praxis, des Instituts für Theorie und Praxis der Subsistenz, sie stand in der ersten Reihe, als es erstmals (1998) darum ging, ein multilaterales Abkommen über Investitionen zu verhindern, sie kämpfte entschieden gegen Gen- und Reproduktionstechnologien.Vor allen Dingen warnte Maria Mies früh und immer wieder eindringlich vor den sich anbahnenden ökologischen Katastrophen, die sie als Ausdruck eines zutiefst patriarchalen Naturverhältnisses verstand, und veröffentlichte gemeinsam mit Vandana Shiva, der indischen Physikerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises, die ökofeministische Streitschrift Ecofeminism.Maria Mies' wissenschaftliches und praktisches Wirken ist eng verbunden mit dem sogenannten Bielefelder Subsistenzansatz, den sie mit einigen Mitstreiterinnen, u.a. Veronika Bennholdt-Thomsen, seit den frühen 1980er Jahren entwickelte, und der, wie Barbara Holland-Cunz einordnet, als eine… Read more »
  • care beyond crisiscare beyond crisis
    Care als Krisenbewältigung. Care als das, „was wir tun, um unsere ‚Welt‘ zu erhalten, fortzuführen und zu reparieren, damit wir so gut wie möglich in ihr leben können.“  Unter diesem erweiterten Care-Verständnis der feministischen Theoretikerinnen Fisher&Tronto firmiert die Konferenz „By Design or By Disaster“ des Masterstudiengangs „Eco-Social Design“ der Freien Universität Bozen-Bolzano, die vom 17.-19.12.2020 stattfindet – online und konvivial. Care wird hier nicht nur als Haltung bedürftigen Menschen gegenüber, sondern als generelle Haltung zur Welt gedacht. Das Kümmern, Pflegen, Sorgen füreinander und für die Dinge, die uns umgeben, die Räume, in denen wir uns bewegen, begleitet die anstiftung bereits seit vielen Jahren in den Netzwerken der urbanen Gemeinschaftsgärten, offenen Werkstätten und Reparatur-Initiativen. Bei der Konferenz sprechen u.a. Niels Hendriks (Dementia lab), Amy Franceschini (Future Farmers), Bianca Elzenbaumer (Alpine Community Economies Lab / Brave New Alps), Andrea Vetter (Konzeptwerk Neue Ökonomie), Andreas Unteidig (MA Transformationdesign, HbK Braunschweig), Elke Krasny (s. Ausstellung & Buch ‘Critical Care – Architecture and Urbanism for a Broken Planet’), SolidariTree und viele andere. Hier geht’s zum Konferenzblog und zur Anmeldung. Read more »
  • Nachhaltigkeitspreis für unser NetzwerkNachhaltigkeitspreis für unser Netzwerk
    Wir sind Preisträger*in! Im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises wurde dieses Jahr erstmalig ein eigener Preis zum Thema Design mit den Unterkategorien Ikonen, Vorreiter, Visionen verliehen. Die Jury legte dabei einen erweiterten Begriff von Design zugrunde - weshalb wir uns sehr über die Auszeichnung unserer Netzwerkplattform www.reparatur-initiativen.de in der Kategorie Vorreiter freuen! Seit 2014 beraten, fördern, vernetzen und erforschen wir unterschiedlichste Reparatur-Initiativen. Wir verstehen Reparieren als eine Praxis der Pflege und Aneignung von Dingen, Produktionskreisläufen und nachbarschaftlichen Beziehungsnetzen. Mit dem Netzwerk Reparatur-Initiativen unterstützt die anstiftung den Wissenstransfer auf intergenerationeller, transkultureller und milieuübergreifender Ebene in Repair Cafés, Reparaturtreffs und weiteren Formaten  (mehr hierzu auch in unserer Broschüre).  Herzlichen Glückwunsch allen weiteren Preisträger*innen! (Bildcredit: Christian Köster) Read more »
  • Utopiastadt - Reallabor für StadtentwicklungUtopiastadt - Reallabor für Stadtentwicklung
    Wäre die anstiftung keine forschende und fördernde Stiftung, sondern selbst ein Projekt, vermutlich hätten wir annähernd die Gestalt von Utopiastadt in Wuppertal. Seit 2011 nutzt das Kollektiv (halb)öffentlichen Raum und verfallene Immobilien um und transformiert sie in Orte der Begegnung für alle. Mit den auch für uns inspirierenden Praxen - Urban Gardening, Reparatur-Initiativen, Offene Werkstätten - bis hin zu Urban Farming, entsteht am Rande von Wuppertal im ehemaligen Mirker Bahnhof ein Reallabor für lebendige, selbstorganisierte Stadtentwicklung. Wir freuen uns sehr, dass wir auch ein klein wenig zum Gelingen dieses Leuchtturmprojekts beitragen dürfen. Weitere Infos:> Website von Utopiastadt> Facebook-Page> Chronologie & Daten Read more »
  • Die Materialisierung einer VisionDie Materialisierung einer Vision
    65.000 qm Leerstand im Zentrum der Hauptstadt? Mit der künstlerischen Aneignung des leerstehenden „Haus der Statistik“ vor fünf Jahren stieß eine Gruppe von Kulturaktivist*innen die Diskussion um den Umgang mit der Liegenschaft an und forderte eine gemeinwohlorientierte Entwicklung des Geländes, statt die Gebäude an Investoren zu verkaufen. Nach Jahren zähen Ringens arbeiten die daraus hervorgegangene Genossenschaft Zusammenkunft Berlin e.G. in Kooperation mit vier weiteren Akteuren (genannt Koop 5), in der auch der Berliner Senat vertreten ist, an der Verwirklichung dieser Vision. Entstehen sollen Raum für Kunst, Kultur, Soziales und Bildung, bezahlbarer Wohnraum und ein neues Rathaus für den Bezirk Mitte, sowie weitere Nutzungen für Verwaltung vorgesehen sind. Während der Planungs- und Bauphase sollen mit der Unterstützung von Pioniernutzungen gemeinwohlorientierte Konzepte erarbeitet werden. Im September öffnete nun das von 18 verschiedenen Initiativen getragene „Haus der Materialisierung“ seine Pforten für die Öffentlichkeit. Eine Mischung aus Zero-Waste-Markt für Gebrauchtwaren- und Materialien, Offenen Werkstätten und Bildungsort für nachhaltige Entwicklung mit Kursen, Workshops und Vorträgen. Das Konzept des Hauses ist mobil, d.h. die Pioniernutzung soll nach dem für 2022 geplanten Abriss in auf dem Areal umziehen. Anderer Umgang mit Ressourcen und Infrastrukturen für Eigenproduktion ist als dauerhafte Komponente des neuen Quartiers konzipiert und nicht als Zwischennutzung, denn es sei Zeit für die Umsetzung positiver Visionen, so die Initiator*innen. Mehr Information: www.hausdermaterialisierung.org RBB-Beitrag hier Read more »
  • Zukunft für alleZukunft für alle
    Wie wollen wir 2048 leben? Wie werden wir wohnen, arbeiten, essen, uns fortbewegen? Wer sorgt für uns und wie stehen wir in Beziehung zueinander? Wie können wir eine Zukunft gestalten, die gerecht und ökologisch ist?   Der Kongress „Zukunft für alle – gerecht, ökologisch, machbar“ lädt vom 25.-30.08.2020 zur Diskussion der großen Fragestellungen ein und organisiert dafür einen vielfältigen niedrigschwelligen Austausch mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungsformaten. Bereits im Vorfeld wurde eine Organisationsstruktur geschaffen, die basisdemokratisch die Inhalte vorbereitet. Und pandemiebedingt findet die Veranstaltung nun nicht wie geplant in der Universität Leipzig statt, sondern es wurde eigens ein digitales Konferenzgelände erschaffen. Spannend zu sehen, wie Form und Inhalt des Kongresses miteinander in Verbindung treten werden. Insgesamt werden über 250 Sprecher*innen und Referent*innen das sechstägige Programm mitgestalten, das nun online gegangen ist. Ab sofort ist es möglich, sich für den Kongress anzumelden. Alle Informationen rund um die Anmeldung sind hier zu finden. Im Vorfeld zum Kongress gibt es mehrere Termine, um sich mit der digitalen Veranstaltungsplattform vertraut zu machen – ein Angebot sowohl für die WorkshopleiterInnen wie auch die TeilnehmerInnen. Alle weiteren Informationen dazu hier. Die anstiftung fördert den Zukunftskongress. Read more »
  • Bundesweite Befragung zu urbanen GärtenBundesweite Befragung zu urbanen Gärten
    Im März 2020 führte die anstiftung eine Umfrage unter Gemeinschaftsgärten durch. Die E-Mail mit dem Link zum Fragebogen ging an 669 Gärten, 214 Gärten schickten ihn ausgefüllt an uns zurück (5 Gärten antworteten doppelt). Eine quantitative Befragung wirft nicht selten mehr Fragen auf, als sie beantworten kann. Letztlich vermitteln die Antworten vor allem die Vielfalt der Verhältnisse, sprich die Unterschiedlichkeit der Gärten, und es bleibt der Zweifel, inwiefern sich die Ergebnisse hochrechnen lassen. Aber einige Trends können wir dennoch beobachten, wie z.B. der, dass offenbar immer mehr „Mischsysteme“, einerseits zwischen individuellen und Gemeinschaftsbeeten sowie andererseits zwischen Hochbeeten und Bodenbeeten, entstehen. Der Trend zum mobilen Gärtnern auf Zwischennutzungen ist dagegen rückläufig.   Die Antworten zum Gründungsjahr belegen das kontinuierliche Wachstum der Urban-Gardening-Community, die große Mehrheit, ca. 190 Gärten wurden zwischen 2011 und 2020 gegründet. Die Größe der Gärten ist sehr unterschiedlich, der kleinste ist 20 m², der größte 15.000 m² groß. Die meisten Gärten bewegen sich zwischen 100 m² und 1000 m². Die eine Hälfte der Gärten liegt mitten in der Stadt, die andere am Stadtrand. Urban Gardening ist, wie der Name schon sagt, nach wie vor ein städtisches Phänomen, nur zehn Gärten finden sich auf dem Land. Vier Teiche, drei Bühnen und jede Menge Nistkästen Bestätigt hat sich, dass Urban Gardening ein vergleichsweise kostengünstiges Unterfangen ist, die meisten Gärten haben Betriebskosten bis zu 100 Euro im Monat, nur wenige Gärten benötigen mehr als 500 Euro. Hinsichtlich der Frage, wie sehr Gemeinschaftsgärten von Flächenverlust bedroht sind, ergibt sich kein klares Bild,… Read more »